Manfred Stein, Karl-Hermann Kock, Reinhard Krause, Gerd Wegner,
Walfangreisen der Bark Petrel
Tagebücher des Julius Jacobsen
Koehler Verlag, Hamburg, 2018 
gebunden, 534 Seiten für 29,95 € 
ISBN 978-3-7822-1318-9

Drei Autoren nennt der Verlag zu diesem Buch, das die Tagebücher des Schiffsoffiziers Julius Jacobsen wiedergibt. Hier erscheint die bibliographische Titelaufnahme des Verlages schon etwas verwirrend. Vielleicht wäre „Herausgeber“ treffender.

Die Tagebücher geschrieben hat nämlich Julius Jacobsen, der 1844 im damals dänischen Rendsburg geboren wurde. Hier wird der aufmerksame Leser von heute das erste Mal nachdenklich innehalten. Rendsburg liegt doch in Deutschland!? Ja, heute. Doch die scheinbar so klaren Grenzen europäischer Nationalstaaten sind an vielen Stellen keineswegs „schon immer so“ und unverrückt gewesen.

Dieser Julius Jacobsen heuerte ab 1866 auf Walfang-Seglern aus dem US-amerikanischen New-Bedfort an. Die Fangreisen waren lang. Sie bildeten die erste Produktionsstufe der damaligen Ölindustrie, die es aus dem tierischen Fett der Pottwale gewann. Jacobsen führte  Tagebuch auf See, notierte das Geschehene und vertraute ihm seine Gedanken an. 

Seine Tagebucheintragungen berichten von einer Welt, die die meisten heute noch aus Melvilles Roman Moby Dick kennen. In Jacobsens Tagebüchern ist Reales chronologisch niedergeschrieben, nicht romanhaft verdichtet, was die Lektüre jedes Tagebuches ganz generell von der eines Romans unterscheidet. Dafür nimmt uns der Schreiber authentisch mit in die Welt des damaligen Walfangs mit seinen ausgeprägten Phasen des Wartens auf die Sichtung eines Pottwals und den kurzen intensiven Phasen der Jagd auf dieses Riesentier mit der Handharpune aus offenen Schaluppen heraus. Er berichtet von der Angst um den Gewinnanteil bei sinkenden Öl-Preisen und von Begegnungen mit fremden Menschen und deren ungewohnten Gebräuchen.

Im Jahre 1884 beendet Jacobsen seine Fahrenszeit, seine Tagebücher berichten also über die Schlussphase der Walfang- und Tran-Industrie, deren Auswirkungen auf den Tierbestand bis heute nachwirken.

Im Jahre 2018 erwarb das Maritime Museum Hamburg die Original-Tagebücher und der Ozeanograph Manfred Stein transkribierte sie für die Publikation. Karl-Hermann Kock steuerte sein Wissen als Fischerei-Biologe aus seinem Dienst am Institut für See-Fischerei bei. Der Schiffsoffizier und Physiker Reinhard Krause kann auf Kenntnisse aus zahlreichen Arktis-Expeditionen für das Alfred-Wegener-Institut zurückgreifen. Gerd Wegner war Fischerei-Ozeanograph am Deutschen Hydrographischen Institut und arbeitet seit seinem Ruhestand an historisch-meereskundlichen Themen.