William Grill, Shackletons Reise

Bilderbuch, übersetzt aus dem Englischen von Harald Stadler
NordSüd Verlag, Zürich, 2015
gebunden, farbig illustriert, 80 Seiten für 19,99 €
ISBN 978-3-314-10311-7
Lesealter ab 7 Jahren

Ein Bilderbuch in der Bücherecke des Düsseldorfer Yachtclubs? Ja! Es ist sowohl eine Empfehlung für das Bücherschapp der Jüngsten an Bord als auch eine für Großeltern, Onkel, Patentanten und andere, die nach einer Geschenkidee für kleine Freunde an Bord Ausschau halten.

Noch gerade bevor der Erste Weltkrieg die Pionierzeit der Antarktisentdeckung beendete unternahm Ernest Shackleton den Versuch, die Antarktis von Küste zu Küste zu durchqueren. Das Schicksal der Expedition ist bekannt, sodass diese Rezension kein Geheimnis mehr vor dem Leser bewahren muss: Shackletons Expeditionsschiff ENDURANCE blieb im Packeis stecken. Die Mannschaft musste die ENDURANCE aufgeben und sich auf abenteuerliche Weise in Sicherheit retten. Nach einem Marsch durch die Antarktis segelte Shackleton in einem 6,7 m – also etwa 19 Fuß – langen, offenen Boot über das Südpolarmeer bis nach Südgeorgien. Dort gelang es ihm, Hilfe zu holen und seine Crew wieder heil nach Hause zu bringen.

William Grill erzählt dieses Abenteuer in Bildern mit wenigen Worten, zum Vorlesen für die jüngeren Grundschüler, zum selber Lesen für die älteren, aber in Bildern, die es in sich haben. Er zeichnet mit Farbstiften, kaum anders  als seine Leser auch. Doch was bringt er damit zu Papier? Grandiose Bilder!

Er beginnt mit der Vorstellung der gesamten Mannschaft, dann bildet er ab, wie Shackleton die Expedition finanziert und organisiert. Selbst die Ladeliste der Ausrüstung kann William Grill zeichnen – ohne dass er hierfür eigentlich Worte bräuchte.

Dann folgen Bilder voller Aktion, zum Beispiel wie die Crew ihrer ENDURANCE den Weg durch das antarktische Eis bahnt. Selbst die doppelseitigen Bilder „in der Totalen“ lassen überall Details entdecken, sodass es sogar den immer genauestens hinschauenden Kinderau-gen nicht langweilig wird, und sie reizt, das Bilderbuch immer wieder aufs Neue zu betrach-ten.

Trotzdem zeigt das Buch keine unübersichtlichen, wimmelnden Abbildungen, sondern klar strukturierte Illustrationen, die Seite um Seite, Zeichnung für Zeichnung dieses Abenteuer erzählen. Der Autor zeigt sein darstellendes Können am deutlichsten, wo er einen abstrakten Begriff wie die „Isolation von Schiff und Crew“ verbildlicht. Auf derart schnörkellos klare, aber dennoch eindrückliche Weise habe ich diesen Begriff noch nie ins Bild gesetzt gesehen.

Wer sich als Erwachsener ein bisschen vom Wissensdurst der Kinder und deren Liebe zum Bild bewahrt hat, wird dieses Buch nicht nur gern verschenken, sondern es gemeinsam mit dem Beschenkten immer wieder voller Vergnügen anschauen und lesen.