Josef Johannes Schmid,
Seefahrer! 
Maritime Lebensbilder von der Antike bis heute
Sachbuch

Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz, 2013
gebunden, 184 Seiten für 24,99 €
ISBN 978-3-8053-4455-5
E-Book, EPUB: ISBN:978-3-8053-4709-9  für 19,99 €
E-Book, PDF:   ISBN:978-3-8053-4708-2  für 19,99 €

Der Verlag Philipp von Zabern ist eher unter archäologisch,  historisch oder kunstgeschichtlich Interessierten ein Begriff als unter Wassersportlern. Insofern adressiert der Verlag dieses Buch an eine für ihn eher ungewohnte Leserschaft. Seiner gewohnten Ausrichtung bleibt der Verlag bei der Wahl des Autors allerdings treu: Josef Johannes Schmidt ist Professor für neuere Geschichte an der Gutenberg-Universität Mainz. Das spricht für Kompetenz und wissenschaftlichen Anspruch.

In anderer Hinsicht allerdings sprengt der Autor den sonst üblichen Rahmen der Publikationen dieses Verlages in mutiger Weise – und das auch noch gelungen. Doch dazu einige Zeilen später erst.

Der Autor spürt den Lebensbildern berühmter und die Geschichte beeinflussender Seefahrer, Seehelden, Piraten, Meuterern, einsamer Seeleuten und heroischer Kapitäne nach. Seine Be-schreibungen greifen natürlich erst einmal das auf zurück, was diese Seefahrer allgemein be-kannt gemacht hat. Doch, wenn er deren Biographien ausrollt und uns Bedeutung und Folgen ihres seefahrerischen Handelns nahebringt, ändert und erweitert sich dieses oftmals nur von Hollywood geprägte Bild. Es erscheinen eben nicht nur Heldenstatuen und Stereotype, son-dern es treten Personen mit all ihrer Menschlichkeit, Ambivalenz, ihren Tugenden und Unzu-länglichkeiten auf.

In den meisten Kapiteln stellt uns Josef Johannes Schmid die Beschriebenen paarweise vor. Manchmal ist es die direkte Gegnerschaft wie bei Artemisia I und Themistokles in der Schlacht von Salamis oder bei Rupert I und Michiel de Ruyter auf dem Ärmelkanal. Oft ist es die Epoche, die die beiden Vorgestellten als Zeitgenossen verbindet. Es finden sich aber auch auf der ersten Blick verwundernde Verbindungen: Zheng He, der Admiral der chinesischen Schatzschiffe, und Christoph Kolumbus.

Doch damit nicht genug, ich komme auf die oben angekündigte Grenzüberschreitung zurück. Der Autor macht uns sogar mit einem tierischen Seefahrer bekannt, der für seine mutigen Ta-ten tatsächlich mit einem Orden ausgezeichnet wurde. So etwas ist natürlich nur in Großbri-tannien denkbar, aber mehrt wird hier nicht verraten. Zum Schluss wendet der Autor sich zu-dem gänzlich fiktiven Seefahrern zu, die für die Mythen, Wunsch- und Traumreflexionen stehen, von denen die maritime Welt nun einmal voll ist – so Josef Johannes Schmid.

Mehr will ich nicht verraten. Gewiss bin ich mir in jedem Fall, dass unter den fiktiven Seefah-rer wie den historisch belegten jeder lesende Freund an Bord mehrere finden wird, deren Ge-schichte, Abenteuer und Persönlichkeit mit an seiner heutigen Passion für Meer, Dampfen oder Segeln schuld ist.

Das Buch habe ich mit Gewinn und Vergnügen an Bord gelesen. Der Stil des Autors lockte mich von Kapitel zu Kapitel bis das Buch ohne langweilig zu werden plötzlich zu Ende war. Der Anhang gibt Literaturhinweise für denjenigen, die noch nicht genug hat, aber – auch das ist ungewöhnlich – eine Filmographie zeigt Kurse zur Fortsetzung.