Arthur Conan Doyle
Heute dreimal ins Polarmeer gefallen

aus dem Englischen , übersetzt von Alexander Pechmann
marebuchverlag, Hamburg, 2015
gebunden,  336 Seiten für  28,- €
ISBN 978-3-866648-209-8

Conan Doyle? Der Conan Doyle? Ja, der Conan Doyle, der Sherlock Holmes und Dr. Watson ersann und der diese beiden bis heute Maßstab setzende Detektivabenteuer erleben ließ. Und was hat der über Seefahrt geschrieben? Eigene Abenteuer an Bord eines Walfängers!

In der Tat geht es in diesem Buch um Tatsachen und nicht wie in seinen Sherlock Holmes Romanen um Fiktion. Arthur Conan Doyle studierte 1880 Medizin, als ihn ein Kommilitone frug, ob er dessen bereits zugesagte Stelle als Schiffsarzt auf einem Walfänger übernehmen wolle. Ihm sei etwas Wichtiges dazwischen gekommen. Die Heuer und das Abenteuer lockten Conan Doyle einzuwilligen. Er übernahm Stelle und bereits gekaufte Arktis-Ausrüstung des Kommilitonen.

Damals war es durchaus üblich, fortgeschrittene Medizinstudenten als Schiffsärzte auf Wal-fang-Schiffen anzuheuern. Sie verlangten weniger Heuer als approbierte Ärzte und an Bord wurde eigentlich nur eine wirksame Wundversorgung verlangt, was bis wenige Jahrzehnte zuvor noch durch handwerklich ausgebildete Chirurgen bzw. Feldschere praktiziert wurde. Der Schiffsarzt auf einem Walfänger hatte also eher wenig Medizinisches zu erledigen, wes-halb ihm eine zusätzliche Rolle (für Landratten: Funktion) beim Wal- oder Robbenfang zu-gewiesen wurde. Zudem war er in der sonst sehr hierarchisch geordneten Gesellschaft an Bord der einzige Partner des Kapitäns für außerdienstliche Gespräche oder einen geistigen Austausch.

Conan Doyle nutze diese Freizeit – ja tatsächlich: freie Zeit – an Bord, um die Reise akribisch und sprachlich gekonnt in seinem Tagebuch festzuhalten. Diese Tagebuchaufzeichnungen besitzen eine durchaus besondere Perspektive. Einerseits nimmt der Autor als nicht unmittel-bar zum nautischen Personal gehörend eine beim Beobachten hilfreiche Position gewisser Distanz ein. Andererseits ist Conan Doyle als Bordarzt und Crewmitglied nahe genug am Ge-schehen und an den Seeleuten, um authentisch berichten zu können.

Dieses Tagebuch darf als einzigartiges Dokument der Wal und Robben jagenden Seefahrt am Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Und da sein Autor auch begnadeter Schriftsteller ist, bringt dieses Tagebuch dem Leser nicht nur Erkenntnisgewinn, sondern auch beste Leselust.

Das Tagebuch selbst füllt nur einen Teil der 336 Buchseiten. Der Verlag hat dem mit Lese-bändchen und Pappschuber ausgestatteten Band der Reihe mare-Klassiker mit 60 Seiten Fak-simile, einem Sherlock-Holmes-Abenteuer aus dem Walfänger-Milieu und Ausführungen des Autors über die Arktis eine passende Ergänzung mitgegeben.

Die Herausgeber  Jon Lellenberg und Daniel Stashower geben in einer Einleitung dem Leser die Zusammenhänge erhellende Hinweise. Das rundet diesen Band ab.

Freunde an Bord müssen die 678 g dieses Buches tatsächlich im Seesack mitschleppen, da es keine Gewicht sparende E-Book-Ausgabe gibt. Wer sich diesen Band aus einer öffentlichen Bibliothek der Region leihen will, wird derzeit nur im Bestand der Stadtbibliothek Krefeld fündig werden.