Alexandre Olivier Exquemelin, Piraten der Karibik

Reprint von „Die amerikanischen Seeräuber – Ein Flibustierbuch aus dem XVII Jahrhundert“
HEEL Verlag, Königswinter, 2007
E-Book, EPUB, 4123 KB, 224 Seiten für 2,99 €
ISBN 3-86852-619-6

Die Wahl des Titel dieses E-Books folgt leider verwirrend dem Film, nicht dem Originaltitel: Die amerikanischen Seeräuber. Das was der Autor in diesem Buch in der Diktion des siebzehnten Jahrhunderts niederschreibt, will er alles  selbst erlebt und gesehen haben. Und das nimmt ihm wohl die Seefahrtsgeschichte seit damals ab: Alexandre Olivier Exquemelin authentische Quelle der Pirateriegeschichte. Viele Publikationen über, Analysen von und Einordnungen der Piraterie des 17. Jahrhunderts nehmen Bezug auf seine Augenzeugenberichte. An ihm kann man die Legenden, die sich seit damals um die Piraterie ranken, kalibrieren. Auch die großen und kleinen Autoren von Piratenromanen holten sich dort ihre Anregungen. Allein das sind Gründe genug, diesen Lebensbericht zu lesen.

Exquemelin schildert, wie er Pirat wurde und lässt uns sogar einen Blick auf die damalige Arbeitswelt werfen. Er unterschrieb einen damals üblichen Schuldknecht-Vertrag  zugunsten der französischen Westindien-Kompagnie. Damit übereignete er seine Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit dieser Kompagnie, es entstand eine Art Leibeigenschaft. Nach Ablauf der Vertragsdauer erhielt der Schuldknecht das Rechts an seiner Arbeitskraft wieder zurück und war ein freier Mann. Während der Vertragslaufzeit konnte der Herr des Schuldknechtes des-sen Arbeitskraft nach Belieben weiter verkaufen, was de facto den Verkauf des Knechts be-deutete. So wurde der Autor zunächst zum Gehilfen eines Chirurgen und befreite sich später aus der Schuldknechtsschaft, indem er sich einer Gruppe von Freibeutern anschloss.

Seine Erlebnisse dort schildert er in diesem Buch authentisch. Sie sind allerdings nicht literarisch verdichtet oder dramaturgisch gestaltet, einfach nur erzählt wie sie ihm begegneten. Stil und Diktion entsprechen denen der damaligen Zeit. Der Leser sollte keine Piratenbelletristik erwarten, die haben Stevenson und andere erst aus solchen Lebensberichten erdichtet.

Die Vita des Autors (auch Esquemeling oder Oexmelin geschrieben), ist nicht präzise tradiert. Geboren wurde er in Honfleur an der französischen Atlantikküste. Aus den Urkunden, die nach den Karibik-Abenteuern seine Niederlassung in in Amsterdam als Chirurg (=Wundarzt) belegen, lesen Historiker, seine Konfession als Hugenotte, von denen viele in die protestantischen Niederlande flohen. Sein Name taucht danach immer wieder einmal auf Besatzungslisten von Schiffen auf, die in der Karibik an Kämpfen teilnahmen. Nicht geklärt ist, ob er wirklich nochmals aus der bürgerlichen Welt des Chirurgen in die des Freibeuters wechselte oder ob sich andere seines Namens bedienten und mit gestohlener Identität anheuerten. Ich weiß nicht, welche von beiden Möglichkeiten die piratischere ist.

Die Lektüre beim nächsten Törn in der Karibik passt bestimmt besonders und als E-Book-Download auch ins Fluggepäck. Der Download ist über die Website des bevorzugten Buch-händlers möglich.