Simone Perotti, Atlas der Mittelmeerinseln
Literarisches Sachbuch aus dem Italienischen, übersetzt von Julika Brandestini
Wagenbach Verlag, Berlin, 2018
gebunden, 144 Seiten für 34€ 
ISBN 978-3-8031-3673-2

Dieses Buch passt nicht ohne weiteres ins Bücherschapp an Bord, denn es ist gut 25 cm mal fast 19 cm groß. Seine Karten seien auch nicht für die Navigation geeignet, betonen etliche Rezensenten. Das scheint ihnen wichtig, da das  Wort „Atlas“ im Titel auf den ersten Blick zur Annahme verführen mag, hier gehe es um Navigatorisches. 

Doch Seekarten sind nicht der wirkliche Inhalt dieses Buches. Der Autor Simone Perotti ist begeisterter Segler, der mit seiner Jacht „Mediterranea“ seit 2014 das Mittelmeer bereist. Hier finden eingefleischte Geographen bereits die erste Unschärfe, denn der Autor bezieht das Marmarameer und das Schwarze Meer einfach ein. Den Begriff Mittelmeer definiert er eben nicht geographisch, sondern füllt ihn kulturell und historisch. Er versteht unter Mittelmeer einen Kulturraum; für ihn scheint es immer noch das antike mare nostrum, unser Meer, der Griechen und Römer zu sein.

Er bereist dieses Meer wie ein Binnenmeer, das von mediterraner Kultur umgeben ist, und nicht wie ein Grenzmeer zwischen Europa einerseits und AfrikAsien (also Nordafrika und Kleinasien) andererseits, wie es uns die täglichen Nachrichten nahe legen.

Der Autor hat für sein Buch 42 von fast viereinhalb Tausend Inseln ausgesucht, die er dem Leser vorstellt. Natürlich sind es – trotz des Titels „Atlas“ – keine kartographisch-geographischen Beschreibungen. Selbst dort nicht, wo ihn die besondere Lage im Meer zur Auswahl veranlasst hat. Diese Auswahl ist subjektiv: Er berichtet über Inseln, von denen er etwas zu erzählen weiß. Das sind Geschichten über Menschen, die er heute dort trifft, anderswo über Menschen, die früher dort gelebt haben, wieder andere Inseln wählt er wegen ihrer Rolle in der Mythologie von Mittelmeer-Kulturen aus.

Der Wagenbach-Verlag, in dessen Programm ich kaum Literatur für „Yachties“ vermutet hätte, gibt dem Mittelmeersegler mit diesem Buch jenseits von nützlichen Angaben über Winde, Strömungen, Häfen und Ankergründe einen durchaus animierenden Reiseführer an die Hand.

Der Autor ist seit 2014 auf Expedition durch das Mittelmeer, über die er unter www.progettomediterranea.com wahlweise auf  Italienisch oder Englisch berichtet. Das Mittelmeer bezeichnet er dort als das Zentrum der Welt, Zivilisation, Sprache, Kultur, Kunst und Gedanken. Dort sei schon jede Krise geboren und bereits jede Lösung gefunden worden, sodass er genau hier den Ausgangspunkt für eine neue Zivilisation erkennt.