Petri Tamminen, Meeresroman

Roman aus dem Finnischen, übersetzt von Stefan Moster

Mare Verlag, Hamburg, 2017

gebunden, 112 Seiten für 18,00 € 

ISBN 978-3-86648-248-7

E-Book, EAN 978-3-86648-336-1, 14,99  €

Roman-Kapitäne, so wie sie üblicherweise beschrieben sind, gehören entweder zu den Schurken oder den Helden, in jedem Fall sind sie ganze Kerle, die das Schicksal von Schiff und Crew so oder so in ihrem Sinne bestimmen. Ein Roman-Kapitän, der eigentlich nichts für seine fatalen Erlebnisse auf See kann, ist hingegen schon sehr außergewöhnlich.

Der Protagonist dieses finnischen Romans, Kapitän Vilhelm Huurna, wird das Gefühl nie ganz los, „dass alle anderen echte Kapitäne sind und er nur eine Art Missverständnis, das noch einmal ans Tageslicht“ kommen wird. Dennoch bringt er in der Tat alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kapitänslaufbahn mit – eben bis auf das Seeglück.

Bereits als Junge verlässt ihn bei seinen ersten Törns für den Landarzt zu den Inseln der Region, in der aufwächst, dieses Seeglück. Da wo andere Salzbuckelbiographien mit ersten herrlichen Schlägen auf einer Jolle beginnen, wartet Huurna nur mit seiner ersten Kenterung samt Schiffsverlust auf. 

Kapitel um Kapitel geraten die Schiffe mit ihm an Bord in Seenot und als Kapitän versenkt er einen Windjammer nach dem anderen, die er auf den großen europäischen Handelsrouten des 19. Jahrhunderts kommandiert. Das hindert die Reeder allerdings nicht daran, ihm immer wieder neue Kommandos anzuvertrauen. Huurna hat, so lässt ihn der Autor sagen, "lediglich gelernt, wie man von den großen Häfen mit dem Zug nach Hause fährt". Der Rezensent im Deutschlandfunk-Kultur meint deshalb, wir läsen lauter Geschichten vom glücklichen Kentern.

Am Ende summiert Huurna, dem auch privat nichts erspart bleibt, alles sei eigentlich doch höchstens halb so schlimm gewesen. Dem rheinischen Leser kommt diese Erkenntnis irgendwie bekannt vor, denn auch am Rhein hätt‘ immer noch alles joot jejange.

Der Stil des Autors Petri Tamminen in diesem Roman wird als „lakonisch“ bezeichnet. Eigentlich ist Lakonik nicht gerade die gewöhnliche Basis, um darauf einen Roman über das ganze Leben des Protagonisten aufzubauen. Doch hier gelingt es. Die Lakonik des Autors füllt 112 Seiten dieses relativ schmalen Buches, da somit bestens in die Tasche des Colanis oder der Seglerinnentassche passt.

Natürlich gibt es für den digitalen Leser auch eine ePUP-Version für E-Reader. Solche E-Book lassen sich inzwischen dank entsprechend gestalteter Websites des Buchhandels sogar sehr ansehnlich verschenken.