Joshua Slocum

Allein um die Welt segeln

Aequator Verlag, München, 2014
Reisebericht aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von  Manfred Braun
Hardcover, 280 Seiten, 68 Illustrationen & Graphiken für 22,95 €
ISBN 978-3-95737-000-6
E-Book, E-PUB, 11,99 €
ISBN 3-9573700-2-7

Diese Reisebeschreibung wird allgemein als ein Klassiker der maritimen Literatur bezeichnet, wobei er sich meines Erachtens eher durch seine Authentizität und den Umstand, das erste Werk dieser Art zu sein, auszeichnet als durch literarische oder gar dichterische Qualität.

Die Neuauflage zeigt erstmalig in deutscher Ausgabe die Originalgraphiken der Erstpublika-tion, so die Verlagsankündigung. Ein Glossar und Anmerkungen erleichtern dem Leser den Zugang zur der über ein Jahrhundert zurückliegenden Welt von Slocum’s Segelei.

Bedauerlich finde ich, dass ein junger Verlag das Medium E-Book genauso stiefmütterlich behandelt wie die etablierten Verlage: Er veröffentlicht in diesem Medium, das so viel mehr kann als die Bleiwüste auf Papier zwischen zwei Pappdeckeln, eigentlich nur den digitalisierten Text – also die heutzutage übliche Vorstufe des Abdruckes. Die Möglichkeiten, Fuß- bzw. Endnoten durch kontextuale Links (einmal darauf tippen und das erklärende Fenster öffnet sich) zu erreichen, Abbildungen als Vektorgraphiken vergrößern zu können oder gar Hyperlinks zu Medien außerhalb des Buches zu bieten, bleiben ungenutzt. Schade, der Verlag begibt sich dieser Chance moderner, zeitgemäßer Profilierung.

Joshua Slocum war ein Seemann und Kapitän des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dessen Bio-graphie immer wieder überlebten Schiffbruch beinhaltet, was ihm damals wohl eher den Ruf eines erprobten Schiffsführers einbrachte, als ihm zum Nachteil zu werden. Und hier trennen sich die Gemüter: Während ich eher Schiffsführern traue, die ihre Schiffe ohne  Strandung in den Hafen bringen, werden mich die Fans von J. Slocum einen Miesmacher schelten.

Was Slocum bis heute berühmt gemacht hat, ist die Einhand-Weltumsegelung, die er in die-sem Buch beschreibt. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Die Einhand-Begeisterten sehen in ihm den legendären Stammvater der einsamen und starken Segler, die allein allem Unbill auf See begegnen. Andere halten das eben für alles andere als gute Seemannschaft, dem Einhand-Segeln fehlt ihnen die charakterbildende Crew-Leistung. Joshua Slocum‘sSchicksal erfüllte sich als Einhand-Segler, er blieb in seinem 65. Lebensjahr auf See verschollen. Aber publizierte Bücher sind eben dazu da, sich an Hand ihrer eine eigene Meinung zu bilden.

Allein deshalb ist es verdienstvoll, dass der Aequator Verlag dieses Buch neu aufgelegt hat. Er hat mit Beginn des Jahres 2014, zur boot Düsseldorf, sein Arbeit aufgenommen und will Bücher für Fahrtensegler und Segelprofis herausgeben. Begonnen hat er mit dem oben vorgestellten Klassiker und einem Kochbuch für an Bord. Der maritime Buchmarkt wird im deutschsprachigen Raum seit langem eigentlich von nur einem Verlag dominiert. Neben ihm überlebten nur wenige sehr spezialisierte Nischenanbieter. Insofern ist dem Aequator Verlag Erfolg zu wünschen, denn sein Erfolg würde die Vielfalt des Angebotes stärken. Ein pfiffiger Neueinsteiger mit Mut zu Neuem, Ungewöhnlichem täte dem doch ziemlich vereistem maritimen Buchmarkt bestimmt gut. Auch neue und junge Autoren könnten dort eine Publikationschance finden, die sie bisher viel zu oft vergebens suchten. Und – in dieser Hinsicht gebe ich meine Hoffnung nicht auf – jungen Verlegern könnte es gelingen, die Möglichkeiten der E-Books auszuschöpfen und zu innovativen Publikationsformen mit Mehrwert zu machen.