John Steinbeck, Logbuch des Lebens

Reisetagebuch aus dem Englischen, übersetzt von Henning Ahrens
Mare Verlag, Hamburg, 2017
gebunden, 368 Seiten für 32 € 
ISBN 978-3-86648-259-3

Steinbeck gehört zu den erfolgreichsten und bekanntesten Autoren des 20. Jahrhunderts, er erhielt 1940 den Pulitzer-Preis und 1962 den Literatur-Nobelpreis. 

Aber wer weiß schon, dass die Romanfigur Doc aus dem Roman „Die Straße der Ölsardinen“ seinen Freund Ed Ricketts als Vorbild hat? Mit diesem Meeresbiologen begab sich Stein-beck an Bord des alten Sardinenkutters Western Flyer im Jahre 1940 auf eine Reise durch den Golf von Mexiko. Steinbecks Buch über diesen Törn ist ein Reisebericht, wenngleich Steinbeck die anderen Aspekte dieser Reise auf eigenem Kiel durchaus nicht aus dem litera-rischen Blick verliert.

Sein Reisebericht beschreibt nicht nur die maritime Flora und Fauna der bereisten Gebiete, sondern auch die Begegnungen mit den Menschen dort, und ist gewürzt mit Geschichten, Essays oder literarisch gekonnten Einlassungen verschiedener Art, die ihm an Bord in den Sinn kommen. 

Er zeigt sich beeindruckt von der Auffassung seines Freundes Ricketts über die Wissen-schaft. Dieser lehnt ein wissenschaftliches Denken ab, das auf der Annahme fußt, alle Ent-wicklung sei auf ein bestimmtes (von) der Natur vorgegebenes Ziel gerichtet. Insofern heißt wissenschaftliches Arbeiten für ihn, die Dinge so zu beschreiben, wie sie sind und nicht, wie sie sein sollten oder könnten. Das ist für Steinbeck wohl der Grund, warum er seinen Reise-bericht mit heftigen Seitenhieben gegen die damals etablierten Biologen und deren teleolo-gisches Denken spickt. 

Rezensenten dieser Neuauflage und Neuübersetzung greifen zu Adjektiven wie „nachhaltig“ oder „ökologisch“, um den Text aus dem Jahre 1940 zu kategorisieren. Damit ist das Buch auf die zeitgeist-korrekte Öko-Welle gesetzt, auf der heute viele populärwissenschaftliche Publikationen reiten. Ich empfehle hingegen, folgendes Zitat von Ricketts nachdenklich zu lesen: „Das nicht teleologische Denken beschäftigt sich nicht in erster Linie damit, wie et-was sein sollte oder könnte,  sondern damit,  wie es ist …" 

Steinbeck ist bekannt für seine Romane. Doch auch mit diesem als Reisebericht bezeichne-ten Werk wird er seinem literarischen Talent, das nicht ohne Grund mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, absolut gerecht.

Diesen Reisebericht gibt es nur als gebundenes Buch; der Mare Verlag verzichtet nach wie vor auf moderne Publikationsformen wie E-Book oder Hörbuch. Aus Sicht eines Lesers, der an Bord nur ein schmales Bücherschapp hat, bleibt das bedauerlich.