Jules Verne: Die Jangada, 800 Meilen auf dem Amazonas


Roman, übersetzt von unbekannter Hand
Die Andere Bibliothek, Berlin, 2018
gebunden, 432 Seiten für  42,00 € 
ISBN 978-3-8477-0406-5 
auf andere Ausgaben wird im Text hingewiesen

Sience fiction, dieser englische Begriff beschreibt in seiner wörtlichen Übersetzung genau das, was Jules Verne verfasst: Wissenschaftsromane. Wissenschaft bildet den Kern seiner Romane, um den er jeweils eine spannende Handlung spinnt. Jules Verne zeigt wieder einmal seine Vorliebe,  die Helden an Bord von Wasserfahrzeugen auf Abenteuerreise zu schicken. In diesem Roman ist es jedoch ein wirklich außergewöhnliches, von dessen Gattung wohl noch keines den DYC-Stander geführt haben dürfte: ein Floß.

Allerdings lässt er seine Protagonisten nicht einfach nur irgendein Floß aus einigen Baumstämmen bauen. Unter ihren Händen entsteht ein Floß – eine Jangada – von über 330 m Länge und rund 20 m Breite. Genug Platz also, um darauf Logis für die Mannschaft und Bungalows für die Herrschaft samt einer Kapelle, in der sogar geheiratet werden soll, zu platzieren.

Dieses Wasserfahrzeug bildet übrigens den - allerdings auch einzigen - Bezug zu Düsseldorf. Solche Flöße fuhren einst auf ihrem Weg vom Oberrhein nach Amsterdam an Düsseldorf vorbei: das bisher letzte seiner Art aus Anlass des Stadtjubiläums 1988.

Die Fahrt der Jangada den Amazonas zu Tal gibt Jules Verne den besten Anlass, dessen Natur, Ufer, Flora, Fauna und Menschen zu beschreiben. Und es wäre eben kein Jules-Verne-Roman, wenn diese Beschreibungen sich nicht aus abenteuerlichen Begegnungen seiner Romanfiguren mit dieser Natur entwickelten.

Es bleibt aber nicht bei einer bloßen, wenn auch abenteuerlichen Beschreibung von Natur und Schifffahrt. Jules Verne erzählt zugleich einen außergewöhnlichen Kriminalfall, in dem es darum geht, ob die zentrale Figur des Romans, Joram Garral, Täter oder Opfer ist. Dieses Rätsel lässt sich nur lösen, wenn der Schlüssel zu einer kryptographierten Botschaft rechtzeitig geknackt wird. Es ist atemberaubend, wie Jules Verne die eigentlich trockene, streng logische und zahlengebundene Dechiffrierung zu einem  mitreißenden Spannungshöhepunkt über mehrere Kapitel macht. Und beinahe nebenbei offenbart er dem Leser die sonst verborgene Technik des Chiffrierens und Dechiffrierens. 

Natur-wissenschaftliche Erkenntnisse sind über die gesamte Romanhandlung verteilt. So lernt der Leser, was sich in einer Wasserleiche unter Wasser abspielt; natürlich nicht in einem medizinischen Vortrag, sondern anhand eines dramatischen Tötungsdeliktes. Das Delikt scheint gerechtfertigt, doch seine moralische Zweifelhaftigkeit ahndet der Autor mit einem fatalen Rückschlag im Wettlauf der Familie gegen die Zeit, Joram Garrals Unschuld zu beweisen.

Der deutsche Text folgt der bisher einzigen Übersetzung von 1882. Dank der Unterstützung durch Bernhard Krauth (Jules-Verne-Club) enthält das Buch alle 96 Abbildung – davon sechs in Farbe – der Ausgabe von 1901. Die bibliophile Gestaltung des Buches in der Anderen Bibliothek unterscheidet es von den übrigen derzeit verfügbaren deutschen Ausgaben: Taschenbuch aus dem Hofenberg Verlag, eBooks von Musaicum Books oder BookRix.