Alex Capus

Eine Frage der Zeit

Roman
btb Verlag, München, 2010
Taschenbuch, Leinen 349 Seiten für 9,99 €
ISBN 978-3-442-74166-3
Hörbuch als Download 19,95 €

Der Erste Weltkrieg fand auch in den europäischen Kolonien Ostafrikas statt. An einem Ufer des Tanganjikasees saßen die Deutschen an anderen die Briten und die Belgier. Und wo Wasser die Truppen trennt, braucht man Schiffe um Krieg zu führen. Also entscheidet das Reichskolonialamt, ein Kriegsschiff zum Tanganjikasee zu schaffen. Das Schiff wird in Papenburg gebaut und nach der Abnahme wieder in seine Einzelteile zerlegt, nach Afrika transportiert und dort endlich zusammen gebaut. Es sind drei Arbeiter der Meyer-Werft, die das dort tun und dann auf der Graf Goetzen von den Ereignissen überrollt militärischen Dienst tun.


Diese Geschichte basiert auf Tatsachen und gehört zu den Legende gewordenen Teilen des Kolonialkrieges wie der Flieger von Tsingtau oder die Odyssee der Matrosen der Emden. Doch Alex Capus hat keine Reportage geschrieben, sondern einen Roman. Er gibt den han-delnden Personen ein Gesicht, eine Seele und lässt sie sprechen. Der Autor schafft die tragende Spannung zwischen den eher pazifistischen Werftarbeitern, den Offizieren der Kolonialarmee und dem, was ein Krieg den Menschen, die ihn miterleben und mittragen müssen, abverlangt. Er verdichtet die handelnden Charaktere so, dass diese kleine, dreiköpfige Papenburger Kolonie am Tanganjikasee und ihr britischer Gegner den Spannungsbogen über die gesamte Romanlänge aufrecht erhalten. Der Autor gibt ihnen Wertvorstellungen, Lebensziele, Sehnsüchte und bringt sie uns dadurch nahe.

Der britische Antagonist, ist der ziemlich spleenige und stets vom Pech verfolgte Navy-Lieutenant Spicer Simson. Nach einer Strafversetzung in eine ziemlich nutzlose Abteilung des Kriegsministeriums soll er mit zwei britischen Schnellbooten die Seehoheit über den Tanganjika erobern. Der Autor nimmt den Leser abwechselnd an das eine und das andere Ufer mit und schreibt abwechselnd aus der Perspektive des deutschen Vorarbeiters Rüter und des britischen Lieutenants Spicer Simson.

Der Roman ist gekonnt erzählt und es ist eine Freude ihn zu lesen. Man kann sagen, Alex Capus beherrscht sein Handwerk als Romanciers. Trotzdem kommt die Authentizität nicht zu kurz. Es erstaunt, wie genau der Autor über Schiffbau und Nautisches Bescheid weiß und wie er die Beziehung von Schiffbauern zu ihrem Schiff nachvollziehen und literarisch zum Ausdruck bringen kann.

Schade, dass der Verlag uns den Namen des Übersetzers verschweigt, der das Buch kongenial übersetzte. Der Autor Alex Capus ist 1961 in Frankreich geboren und lebt jetzt in der Schweiz.

Das Buch gibt es in Leinenbroschur in Taschenformat von 9,5 x 5,5 cm, das wunderbar in die Bordbibliothek und bei Freiwache in die Hand passt. Das Hörbuch kann man sich im MP 3 –Format herunterladen, auf den gängigen Geräten, wie MP 3 Player, speichern und wiedergeben.

Nach der Lektüre, aber erst dann sollte sich der Leser bei Wikipedia über das Schicksal der Götzen nach der Zeitspanne des Romans orientieren. Ohne zu viel zu verraten, das Schiff gibt es heute noch. Über eine moderne Reportage über dieses Schiff berichte in einer folgenden Rezension

Das Buch ist u.a. in der Stadtbibliothek Düsseldorf, der Stadtbibliothek Meerbusch und in der Mediothek Krefeld vorhanden.